Dieses Thema ist sehr kontrovers. Das liegt in der Natur der Sache.
Konfrontation ist ein Weg (von mehreren möglichen), wenigstens einmal im Leben nicht vom Täter bestimmt zu werden, sondern über ihn zu bestimmen. Also quasi die Macht-Verhältnisse, die damals beim Missbrauch herrschten, herumzudrehen.
Konfrontation ist keine Methode, Klarheit über den Missbrauch oder Sicherheit über Tatsachen herauszufinden. Die meisten Täter leugnen, auch bei der Konfrontation. Praktisch alle Täter verharmlosen das, was sie getan haben. Ihre Aussagen bei einer Konfrontation haben so gut wie keinen Beweiswert. Weder für, noch gegen den Missbrauch.
Hierüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Man muss nicht unbedingt, weil es auch andere Wege gibt, einen ähnlichen Effekt wie durch eine Konfrontation zu erreichen. Eine gut vorbereitete und konsequent "mit Schmackes" durchgezogene Konfrontation kann jedoch die Krönung der Therapie darstellen und einem ein ganz anderes Selbstgefühl geben, als wenn man andere Wege versucht.
Das Gefühl, es dem Täter wenigstens einmal im Leben gezeigt zu haben, ist durch nichts zu ersetzen. Wirklich durch NICHTS!
In der Regel nur nach allersorgfältigster Vorbereitung, am besten nach einigen Jahren Therapie oder als Abschluss der Therapie. Niemals ohne Sicherheits-Netz, z.B. Leute, die einen begleiten.
Niemals, wenn man noch in akuten Krisen steckt, oder in Dekompensationen oder Depressionen. Niemals, wenn man noch am Zweifeln ist. Man sollte den Missbrauch weitgehend verarbeitet haben und sich stark und lebenstüchtig fühlen.
Eine schiefgegangene Konfrontation kann einen im Heilungsprozess stark zurückwerfen. Deswegen ist gute Vorbereitung und professionelle Unterstützung unbedingt anzuraten.
Mit Leugnen, Abstreiten, ja sogar mit "Gegenbeweisen" (die aber nicht stimmen müssen, weil man rein logisch betrachtet gar nicht beweisen kann, dass man etwas nicht gemacht hat). Mit Tränen, mit Selbstdarstellung des Täters als das angebliche eigentliche Opfer, mit Gegenvorwürfen (insbesondere dass man die Familie zerstören würde), mit Verharmlosungen, und mit typischen Täter-Verdrehungen ("du hast es doch selbst gewollt und mitgemacht" etc).
Rechne mit allen Täter-Strategien, die z.B. in den folgenden Büchern beschrieben sind:Ja, sie kann, aber sie muss nicht. Sie kann dir einiges über den Täter und seine Strategien verraten. Ob dir das viel hilft, ist eine andere Frage. Mache niemals eine Konfrontation, um aufzudecken oder Fakten herauszufinden! Täter sind so ziemlich die ungeeignetsten "Zeugen" ihrer eigenen Tat, die es überhaupt nur gibt!
Entscheidend ist nicht, ob der Täter "es" zugibt, sondern dass du ihn mit seinen Taten konfrontierst und er durch dich unter Druck gerät, d.h. nötig hat, sich zu rechtfertigen und die Tat abzustreiten. Mache ihm klar, dass du die Tat niemals vergessen wirst und dass all sein Leugnen dich nicht von der Wahrheit abbringen wird.
Einsicht, Reue oder dergleichen wirst du bei einer Konfrontation so gut wie nie erreichen. Eher wollen Täter umgekehrt, dass du ihnen verzeihen sollst - lass dich bloß nicht auf Schnellschüsse ein! Das kann auch eine versteckte Form der erneuten Machtausübung sein. Denke immer daran, dass Konfrontation etwas mit Machtausübung über den Täter zu tun hat, und daher fast alle Täter sich mit ihren meist infamen Mitteln (Manipulation etc) zu wehren bzw. Gegenangriffe zu starten suchen. Deswegen ist gute Vorbereitung unerlässlich!
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