Nichtraucher
25 Jahre habe ich geraucht, mit 14 angefangen, hat mir der HNO-Arzt kurz vor Weihnachten 97 mitgeteilt, daß ich eine chronische Laringitis hätte. Den Rat des Arztes kann sich wohl jeder denken und ich kam ungemein ins Grübeln, denn ich hatte schon längere Zeit beim anzünden von Zigaretten ein schlechtes Gewissen. Der Auswurf den ich jeden Morgen hochgehustet habe war braun und zäh, dabei hat mir die 1. Zigarette am Morgen, meist noch im Bett genüß zwischen die Lippen geschoben, immer am Besten geschmeckt. Sie hat meinen Stoffwechsel angeregt und ich konnte jeden Morgens ohne Probleme auf die Toilette.
Im Januar 98 habe ich mich gesundheitlich nicht sehr wohl gefühlt, die Kehlkopfentzündung, eine Nebenhöhlenentzündung mit 1-seitiger Gesichtsschwellung sowie ein trockener Husten machten meinem Immunsystem doch schwer zu schaffen, der seelische Zustand war natürlich entsprechend.
Immer noch Anfang Januar
Im Tante Emma Laden hat mir die nette Verkäuferin erzählt, mir haben sich die Nackehaare gestellt, daß ihr Bruder mit 43 Jahren an Kehlkopfkrebs gestorben sei. Er habe auch nach der Operation, der Kehlkopf mußte entfernt werden, weitergeraucht und ist dann ca. 1, 5 Jahre später gestorben. Ihr eigener Mann raucht seitdem Zeitpunkt nicht mehr, hat aber 12 kg (heul) zugenommen, sie selbst hat es noch nicht geschafft und qualmt weiter. Ich dachte: Klasse Aussichten.
Immer noch Anfang Januar
Ich rauche immer noch, bin mit den Mädels in Heilbronn unterwegs, Ulli hat einen Neuen, na ja. Dann erzählt er mir von seinem Vater, der mit 42 Jahren an Kehlkopfkrebs gestorben ist. Meine Nackenhaare gefrieren zu Eiszapfen.
In der Nacht von 7. auf 8. Januar kommt ein Film, die Frau in dem Film stirbt noch nicht mal 30 Jahre alt an Kehlkopfkrebs.
In dieser Nacht hatte ich eine lange Unterhaltung mit meinem Körper, speziell mit meinem Kehlkopf, er hat mir fest zugesagt, daß er Krebsfrei bleibe, wenn ich sofort mit dem Rauchen aufhören würde.
Seit diesem Tag oder besser seit dieser Nacht leide ich, ich heule innerlich wie ein getretener Hund, möchte mit den Fingernägel die Tapete von den Wänden kratzen, Alle und Jeden anschreien, gegen Sandsäcke schlagen.
Ich habe seit dem Film keine Zigarette mehr geraucht. Es ist einfach unglaublich, wie abhängig ich von Zigaretten bin. Ich habe es erst jetzt bemerkt. Es hört auch nicht auf. Ich wache heute manchmal auf und würde am liebsten diese 1. und Beste Zigarette des Tages anstecken, nehm mir aber jeden morgen wieder neu vor, nein, heute hälst Du den Tag noch ohne Rauchen durch.
So stehe ich die Tage durch. Mal besser, mal schlechter.
Der Körper dankt es mir allerdings, ich merke wie ich besser durchblutet bin, keine Erkältungen mehr habe (seit Januar nix, sonst alle 4 Wochen) und dem Kehlkopf geht es auch schon viel besser. Damit ich wortwörtlich nicht so aus der Form gehe oder in Form bleibe, gehe ich rennen (wie Joschka Fischer). Ich schnapp mir meinen Hund Fips und renn´ mit ihm ca. 3-4 km bergauf/bergab.
Täglich.
Und leide weiter.
Und versuche in Form zu bleiben.
Und rauche nicht.
28. Juni 98